Redebeitrag am Circus Probst – 10.09.2016

Wir dokumentieren hier den Redebeitrag zum Thema Tierschutz/Zirkus und zum Versuch rechter Kräfte, diese Themen für sich zu vereinnahmen:

Unterhaltung, Spaß, viel Glitzer, Lichter, besondere und gefährliche, seltene und niedliche Tiere, die tolle Kunststücke vorführen- das alles mag ein Kind mit dem Zirkus assoziieren, und wer kann es ihm verübeln? Die Dressuren werden oftmals als sanft und liebevoll propagiert, es scheint, als würden die Tiere sogar mit Freude ihre Show absolvieren. Wer jedoch einmal bewusst darüber nachdenkt und sich eingesteht, was der Zirkus für die Tiere wirklich bedeutet, sollte sich gegen einen Besuch entscheiden. Kein Tiger würde freiwillig durch einen brennenden Reifen springen, kein Elefant einen Kopfstand machen. Zwang und Demütigung gehen mit der Dressur einher, die für die Tiere psychische und oftmals auch physische Gewalt bedeuten. Sie sind völlig abhängig von der Willkür und der Reaktion der Dompteure, ihre Abrichtung erfolgt meistens durch die Kombination aus Belohnung und Strafe. Nicht selten drohen den Tieren bei unerwünschtem Verhalten Schläge mit diversen Gegenständen, Peitschenhiebe oder Elektroschocks. Angst und Einschüchterung werden so für das Unterhaltungsgeschäft ausgenutzt.
Doch nicht nur die Dressur an sich ist Stress für die Tiere. Auch die häufigen Standortwechsel und die langen Transportwege in viel zu engen Fahrzeugen und die Haltung in nicht artgerechten, kleinen Gehegen sind eine enorme Belastung. Der aus den Haltungsbedingungen entstehende psychische und physische Stress und die Langeweile führen bei den Zirkustieren zu schweren Verhaltensstörungen. Erkennbare Störungen sind sich wiederholende, gleichbleibende Bewegungen, die artfremd sind, wie das kontinuierliche Hin- und Herschaukeln des Kopfes bei Elefanten oder das Hin- und Herlaufen von Tigern und Löwen. Man spricht hier auch von Stereotypien. Des Öfteren kommt es sogar zur Selbstverstümmelung durch die Tiere. Aus der nicht „artgerechten“ Haltung von Zirkustieren resultiert neben Verhaltensauffälligkeiten auch eine erhöhte Sterblichkeit. Besonders Wildtiere, die aus ihrem natürlichen Territorium gerissen wurden, leiden zusätzlich an den für sie unpassenden Klima- und Bodenbedingungen. Allgemein fehlt es den Tieren an Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten und häufig auch an Artgenossen zur Kommunikation. Gefangenschaft, Stress, Angst und Langeweile werden so zum traurigen Alltag für die Tiere.
Wer ein Herz für Tiere hat, steigt also lieber auf eine der zahlreichen Alternativen wie Jahrmärkte, Zirkusse und andere Spektakel ohne Tiere um.

Doch noch ein anderes Thema im Bezug zum Zirkus soll besondere Erwähnung finden: Neonazis, die sich für Tierrechte und Tierschutz einsetzen. Erst am Donnerstag äußerten einige Vertreter/innen der Partei „Der dritte Weg“ ihren Protest in Form einer Kundgebung vor dem Zirkus in Gera, vor dem auch wir uns heute befinden. Von Außenstehenden vollkommen unbemerkt oder unbeachtet bleibt aber häufig, dass rechte Ideologien und der Gedanke des Antispeziesismus äußerst konträr zueinander stehen. Für Tierrechte und Tierschutz zu kämpfen meint, sich stark zu machen für die, die sich selbst nicht wehren können, für ein selbstbestimmtes und freies Leben eines Jeden zu kämpfen, ohne Benachteiligungen und Diskriminierung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer anderen Spezies. Spätestens hier müsste der Widerspruch in sich deutlich werden. Die nationalsozialistische Ideologie beruht vor allem auf Ungleichheit, in Folge dessen in lebenswertes und nicht lebenswertes Dasein unterteilt wird. Hierbei werden Menschen anhand ihrer Hautfarbe, Herkunft, Sexualität oder ihrer Religion in Rassen gegliedert. Bestimmte „Rassen“ werden von den Faschisten abgelehnt, häufig wird sogar von dem Wunsch der Isolation oder der Ausrottung gesprochen. Im Grunde basiert rechtes Gedankengut im Allgemeinen also genau auf den Grundelementen, die das gesellschaftliche Verhalten gegenüber Tieren charakterisieren – Abwertung, Ausnutzung, letztlich Gewalt und Mord. Um keine Möglichkeit für Impulse aus der rechten Szene in Gruppierungen mit grundlegend linkem Ursprung zu bieten, sollte vehement gegen eine Unterwanderung von Tierschutz- und Tierrechtsveranstaltungen durch Neonazis vorgegangen werden.