Landarbeit Aftershow

Nach der Arbeit das Vergnügen: die Landarbeit Aftershow im Rotzfrech! Es gibt Futter (vegan), Musik, und viele nette Menschen.

Die Ausgabe des Demonstrationsentgelts durch den Antifa e.V. findet dort ebenfalls statt. Also Mitgliedskarte nicht vergessen.

Es spielen folgende Kapellen zum Tanze auf:

Nasty Pack (Punk³ / Leipzig)

Sad Neutrino Bitches (350km/h Garagenbier / Jena)

Leaves (Emotional Hardcore / Jena)

xSchmutziger Menschx (Midtempo Fastcore / Hamburg)

Antes (Dark Hardcore / Leipzig)

Ort: Oststraße in Gera
Beginn: 16.00 Uhr
Ende: 22.00 Uhr
Eintritt: frei
Spenden: gern

https://www.facebook.com/events/503295693197222/

Kommt vorbei!

Landarbeit Aftershow im Rotzfrech

10.09.2016 – 13 Uhr – Sachsenplatz – Gera


Wir wollen den Grundstein für eine kontinuierliche antifaschistische Präsenz in der Provinz legen.
Lasst uns den Nazis zeigen, dass ihnen die Straßen, auf denen sie sich momentan so wohlfühlen, nicht gehören. Zeigt im Schulterschluss mit der Provinz, dass es sich lohnt, für antifaschistische Inhalte zu kämpfen. Setzt ein Zeichen mit uns, dass sich Antifaschismus und der Kampf ums Ganze nicht nur in den Metropolen abspielen.
10.09.2016 – 13 Uhr – Sachsenplatz

Weitere Infos, Karte usw. in den nächsten Tagen.

Demotipps in Kurzform

An diejenigen unter euch, die vielleicht noch nicht so oft auf Demonstrationen / Aktionen usw. unterwegs waren: Erstmal finden wir es sehr cool, dass ihr vorhabt zu kommen. Wir haben hier in aller Kürze ein paar grundlegende Tipps, die man beherzigen sollte.

Vor der Demo und der Aktion dran denken:
Bildet Bezugsgruppen, bewegt euch nur zusammen, reist nicht allein zur Demo.
Findet einen Konsens, was für eure Gruppe geht und was nicht. Überfordert und gefährdet eure Gruppe nicht.
Nimm deinen gültigen Personalausweis, Pass, Visum und Aufenthaltspapiere mit.
Nimm Kleingeld mit.
Nimm Krankenkassenkarte bzw. -schein für den Fall einer medizinische Behandlung mit.
Nimm für dich selbst notwendige Medikamente für zumindest 48h mit.
Schreibe dir die aktuelle EA-Nummer, falls vorhanden, auf.
Nimm etwas zu schreiben mit.
Besorg dir im Vorfeld eine Demo- oder Aktionskarte, falls vorhanden.
Miste deine Klamotten aus: nimm nur das mit, was du wirklich auf der Demo brauchst!
Zur Information: das Mitnehmen und Tragen von Gegenständen, die den Körper vor Gewalt schützen (Helme, Protektoren, etc.), die als Waffen und zur Vermummung dienen könnten, ist verboten. Sei also vorsichtig!
Drogen und Alkohol haben bei Demos nichts zu suchen; sie mitzunehmen und zu konsumieren gefährdet dich und andere!
Fotos, Kalender, Adress- und Telefonverzeichnisse zu Hause lassen.
Alle sensiblen Daten im Handy unbedingt löschen oder das Smartphone gleich ganz zu Hause lassen.
Auf Kontaktlinsen, Fettcremes, Make-Up, Schmuck und ähnliches verzichten.

Auf der Demo und bei der Aktion dran denken

Überlege dir, worüber du auf der Demo sprichst; unter den TeilnehmerInnen sind oft auch Zivilpolizisten.
Keine Foto- und Videoaufnahmen von Personen und Aktionen machen.
Nicht alleine auf Demos gehen; auch auf dem Hin- und Rückweg zusammen bleiben!
Wenn die Polizei Leute mitnimmt: Name, Geburtsdatum, Meldeort notieren und an den EA melden.

Wenn du mitgenommen werden solltest

Den Umstehenden Name, Geburtsdatum, Meldeort zurufen.
Sage der Polizei nicht mehr von dir als: Name, Meldeadresse, Geburtsdatum, Geburtsort und Staatsangehörigkeit.
Keine Aussage machen! Es ist dein Recht zu schweigen. Bei der Polizei, im Gefangenentransporter und in der Zelle ist nicht die Zeit und der Ort zu reden! Damit belastest du entweder dich oder andere!
Unterschreibe nichts!
Verlange von der Polizei den Grund deiner Festnahme.
Versuche den EA anzurufen und ihn über deinen und den Verbleib anderer zu informieren. Auch dort über nichts anderes sprechen.
Bei erkennungsdienstlicher Behandlung (ED = Fotos, Fingerabdrücke, Gewicht, Körpermerkmale, etc.) und/oder Entnahme einer DNA-Probe lege Widerspruch ein und lasse diesen protokollieren. Nichts unterschreiben!
Spätestens am Ende des folgenden Tages musst du freigelassen oder einer Richterin bzw.einem Richter vorgeführt werden.
Wenn du vor eine Richterin oder einen Richter geführt wirst, bestehe auf einem Anwalt oder einer Anwältin. Der EA kann dir Anwältinnen und Anwälte vermitteln. Nimm Dein Recht zu schweigen auch vor einer Richterin oder einem Richter wahr: Keine Aussage machen!

Nach der Freilassung
Melde dich sofort beim EA. Auch wenn du dich vorher nicht dort gemeldet hast, hat das vielleicht jemand anderes getan.

Stadt, Land, Fluss verteidigen!

Antifaschistische Strukturen in der Provinz basieren meist auf persönlichen Kontakten und auf kleinen subkulturellen Milieus. Sie sind überschaubar und beschränken sich in der Regel auf konkretes Handeln zu gegebenen Anlässen. Eine inhaltliche Ausdifferenzierung, Debatten,
Diskurse, Dissens wie in größeren Städten und Metropolen mit personell starken Gruppen können selten stattfinden. Antifa auf dem Land ist undogmatisch. Oft hängt die Arbeit vor Ort stark an einzelnen Personen. Ein Rück- oder Wegzug Einzelner kann die Handlungsfähigkeit
lokaler Gruppen einschränken oder gar zum Erliegen bringen.

Die Überschaubarkeit der Szenen führt unweigerlich auch zu einem höheren Risiko einzelner Agierender – Aktionen können sowohl von politischen Gegnern als auch von staatlichen Repressionsorganen leichter zugeordnet werden.
Von Vorteil ist, dass auch mit verhältnismäßig wenig Aufwand schnell Öffentlichkeit hergestellt werden kann; dass Deutungshoheiten in der Provinz bei überschaubarer Anzahl anderer Akteur*innen einfacher gewonnen werden können. Konzerte, Vorträge und Pressearbeit
gestalten sich teilweise unkomplizierter und erfolgreicher. Dies gilt aber auch für den politischen
Gegner.
Die extreme Rechte macht sich dies momentan besser zu Nutze. Akteur*innen ziehen bewusst in die Provinz, schaffen und stärken Strukturen und können den öffentlichen Raum, das Klima eines Provinznestes entscheidend beeinflussen, oft sogar bestimmen.

Aufgrund der Job- und Studienlage, aber nicht zuletzt auch eben wegen des politischen Klimas und einer Armut an subkulturellen (und damit identitätsstiftenden) Angeboten, zieht es linke Jugendliche tendenziell in die Metropolen, in Hochschulstädte und Ballungsräume. Gleichzeitig hemmt die Abwanderung aus der Provinz das Entstehen von attraktiven Strukturen – ein Teufelskreis.
Neonazis hingegen erwerben Landgasthöfe und Gehöfte, eröffnen Szenelokalitäten dort, wo wenig Gegenwehr erwartet wird, und arbeiten auf national befreite Zonen hin, die außer bei gelegentlichen „Strafexpeditionen“ der städtischen linken Szene relativ unbehelligt auf- und ausgebaut werden können.

Antifaschistische Arbeit auf dem Land funktioniert aufgrund der provinziellen Verhältnisse und
einer weit verbreiteten konservativen bis reaktionären Grundhaltung in ländlichen Gegenden
grundsätzlich etwas anders, so dass dies auf Szenen beispielsweise in Leipzig, Jena oder Berlin
durchaus befremdlich wirken kann.

Vernetzung und Bündnisarbeit sind in der Provinz notwendiger und wichtiger, da die wenigsten Gruppen aus dem Stand eine kritische Masse an Menschen mobilisieren können. So bleibt den Aktiven oft nichts anderes übrig, als mit Ortsgruppen von zumindest halbwegs progressiven und
integren Parteien wie LINKE, SPD, B90/ Die Grünen, Gewerkschaften, Kirchen und Bürgerbündnissen zusammenzuarbeiten. Die sich daraus ergebenden inhaltlichen und programmatischen Einschränkungen sind für die Kommunikation mit (groß-)städtischen Gruppen bzw. für die Mobilisierung von Antifaschist*innen und radikalen Linken aus den Ballungsräumen hinderlich.

Diesen fehlen durch ihre beneidenswerten gefestigten Szenen und etablierten Strukturen aber auch das Verständnis und der nüchterne Blick auf die Situation vor Ort.

Auch mit einer einzelnen antifaschistischen Demo unter Beteiligung großer Gruppen ist selten viel erreicht, wenn sich von den 500 erschienenen Menschen 470 am selben Abend wieder in ihren komfortablen Kiez und ihre Szenelokale zurückziehen. Solche Demonstrationen, die einmal im Jahr die Käffer fluten, machen ansässigen Neonazis aber zumindest ihre Wohlfühlzonen für den Moment streitig.

Die in örtlichen Kleinstgruppen Agierenden jedoch müssen ihre Kämpfe jeden Tag führen, begegnen Nazis und anderen politischen Gegnern ständig im Alltag und sind nach größeren Aktionen oft genug wieder sich selbst überlassen.

Eine große Demo kann allerdings gleichsam helfen, Menschen zu gewinnen, die noch nicht in dem Maße politisiert sind wie wir bzw. mit linksradikalen Ideen sympathisieren, aber noch nicht organisiert sind.

Dennoch reicht das natürlich lange nicht aus. Wenn wir den Kampf ums Ganze führen und die Verhältnisse in Frage stellen wollen, können wir uns nicht auf Kieze beschränken, sondern müssen auch die Auseinandersetzung mit und in der Provinz angehen.
Wir wollen lokale Gruppen besser vernetzen, Recherchestrukturen ausbauen, Regionalplena organisieren und die Kommunikation verbessern, um in die Lage zu kommen, auch kurzfristig handlungsfähiger zu werden.

Es ist notwendig, Freiräume zu erkämpfen und Anlaufpunkte zu schaffen. Viele provinzielle Regionen kommen über den Versuch, solche Räume aufzubauen nicht hinaus, weil Projekte im Keim erstickt werden – sei es durch permanente Angriffe von Nazis oder seitens der örtlichen Behörden, die sich alle Mühe geben, Steine in den Weg zu legen.
Umso mehr sind diese Orte und Projekte essentiell, damit von ihnen ausgehend die Provinz inhaltlich und (sub-)kulturell mit Leben gefüllt werden kann.
Genau hier braucht es aber die fortwährende Unterstützung durch starke städtische Strukturen und den Willen, dass alle Hand in Hand arbeiten, um antifaschistische Räume zu gestalten.

Gera

Eine unvollständige Auflistung rechter Aktivitäten in Gera in den letzten 12 Monaten:

15.7.2015
- Angriff von Neonazis auf Antifaschist in der Bahnlinie 3 Richtung Lusan

21.09.2015
- erste Ankunft von Geflüchteten in Gera-Liebschwitz, gefolgt von 100 Personen starker Spontandemo der Neonazis vor der Unterkunft

05.10.2015
- Angriff von ca. 13 Neonazis auf Antifaschist*innen vor geplanter Flüchtlingsunterkunft im Wismutkrankenhaus, Personalien von Polizei aufgenommen, jedoch keine Maßnahmen eingeleitet
- Belagerung einer alternativen Szenekneipe in Gera durch ca. 30 Neonazis, u.a. durch die am vorhergehenden Angriff beteiligten Personen

10.10.2015
- bis zu 1500 Neonazis marschieren ungehindert durch Gera unter dem Label „Wir lieben Gera“ / „Thügida“, der 10.10. bildet den vorläufigen Höhepunkt rassistischer Mobilisierung, daneben seit 2015 etliche weitere Demonstrationen der gleichen Initiatoren sowie zusätzlich durch die AfD mit ebenfalls bis zu 1000 Teilnehmern. Am 17.10.2015 beteiligen sich 2300 Personen an der Thügida-Nazi-Demo im benachbarten Altenburg.

10.10.2015
- versuchter Angriff auf Szenekneipe nach Demonstration
- Versuch durch 2 betrunkene Neonazis, geplante Asylunterkunft zu fluten, wenige Tage später erneutes Eindringen in die Unterkunft mit Messern und Softairs

31.11.2015
- erneuter geplanter Neonazi-Angriff auf Szenekneipe mit ca. 25 Personen

11.01.2016
- Nazis aus Gera sind mit mindestens 5 KfZ zu Krawallen in Connewitz angereist

05.03.2016
- Nächtlicher Übergriff von Neonazis (mind. 2 voll besetzte Autos) auf Antifaschist*innen auf dem Heimweg

01.05.2016
- 2 junge geraer Antifaschistinnen sind im Zug nach Plauen von mehr als 20 maskierten Neonazis ab Geraer Hbf massiv bedroht, gefilmt und (eine) leicht verletzt wurden

02.06.2016
- am Abend schießen in Bieblach-Ost Betrunkene mit nicht scharfen Waffen vom Balkon auf Frau mit Kopftuch (vermeintlich Geflüchtete), die mit Kindern unterwegs war